leer

Das Instrument

Im Folgenden gibt es ein paar Tipps, worauf ihr achten könnt, wenn Ihr euch einen Bass kauft.


Vier oder fünf Saiten?

E-Bässe gibt es mit 4 oder 5 Saiten. Beim 5-Saiter kommt noch eine tiefe H-Saite hinzu. Grundsätzlich ist das keine schlechte Idee, denn dadurch kann man noch tiefere Töne spielen, und tiefe Töne sind nun mal Sinn und Zweck des Basses.

Das Problem ist, dass - gerade bei billigeren Bässen - diese zusätzliche Saite konstruktionsbedingt oft "schlabbert" und wenig "Punch" hat. Hinzu kommen die generellen Nachteile eines 5-Saiters: Er ist schwerer, weniger bequem zu handhaben sowie teuer als ein entsprechendes 4-Saiter-Modell.

Daher spielen heute immer noch die meisten Bassisten (auch von bekannten Bands) 4-Saiter. Ausnahmen gibt es meist in modernen Spielarten des Metal, wo viel mit heruntergestimmten oder 7-saitigen Gitarren gearbeitet wird. Dort kann ein 5-Saiter sinnvoll sein, damit man als Bassist diesen tiefen Gitarrensounds nicht in die Quere kommt.

Aktiv oder passiv?

Aktiv- und Passivbässe unterscheiden sich weniger im Sound als vielmehr in den Möglichkeiten, den Sound zu formen und zu verändern. Bei einem Passivbass gibt es nur eine Höhenblende, die Höhen aus dem Signal herausfiltert und dadurch den Ton bassiger und gleichzeitig etwas leiser macht. Ein Aktivbass hat dagegen einen kleinen Vorverstärker eingebaut, dadurch können Höhen, Bässe und Mitten hinzugefügt werden, die vorher nicht im Signal enthalten waren. Dabei bleibt das Signal gleich laut (oder wird sogar etwas lauter).

Aktivbässe haben den Nachteil, dass sie Batterien brauchen, man sollte bei Proben & Auftritten also immer Ersatzbatterien dabei haben. Außerdem sind sie durch die aufwendigere Elektronik etwas teurer.

Pickups

Pickups (auch Tonabnehmer genannt, abgekürzt PU) funktionieren vom Prinzip her ähnlich wie ein Mikrophon: Sie nehmen den Ton der Saiten auf, so dass er an den Verstärker weitergeleitet werden kann. Die Pickups sind neben dem verwendeten Holz hauptsächlich für den Sound verantwortlich. Auf dem E-Bass sind 3 Pickuptypen gebräuchlich

Humbucker sind z.B. im Music Man StringRay eingebaut (daher MM-Style), der Fender Jazz Bass verwendet die schmaleren Singlecoils (daher J-Style). Ein Beispiel für einen mit Split-Coils bestückten Bass ist der Fender Precision Bass (daher P-Style). Humbucker klingen warm und rund. Im Vergleich dazu haben Singlecoils mehr "Biss" und setzen sich im Bandgefüge besser durch. Ihr Nachteil ist, dass sie rauschen, wenn sie in ein Magnetfeld geraten (z.B. durch Neonröhren, aber auch die eigenen Bassanlage). Ein Splitcoil rauscht ebensowenig wie ein Humbucker und ähnelt klanglich dem Singlecoil, vielleicht nicht ganz zu durchsetzungsfreudig, dafür mit schön "knurrigen" Mitten. Letztlich ist das alles eigentlich Geschmackssache ...

humbucker singlecoil splitcoil
Der Humbucker ist ein breiter Pickup mit normalerweise 2 Reihen von Magneten. Er hat einen warmen, runden Ton. Der Singlecoil ist schmaler und klingt "bissiger", hat aber den Nachteil, dass er rauscht. Splitcoils bestehen aus zwei "halben" Singlecoils. Sie ähneln klanglich den Singlecoils, rauschen jedoch nicht.

Das Holz

Wie schon erwähnt, ist neben den Pickups die Art und Qualität des verwendeten Holzes Hauptursache für den Klang des Basses. Normalerweise wird unterschiedliches Holz für den Korpus (Body), den Hals, und das Griffbrett verwendet. Generell gilt beim Holz die Fausregel "Hell klingt hell".

Halskonstruktion

Bei E-Bässen gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, Hals und Korpus zu verbinden: 

Solid-Body, Semi-Acoustic oder Akustikbass?

Die meisten E-Bässe sind Solid-Bodies, d.h. dass der Korpus bei diesen Bässen einfach ein Stück Holz ohne irgendwelche Hohlräume ist. Der Solid-Body wird im Rock, Pop, Metal usw. eingesetzt.

Der Akustikbass hat einen relativ breiten, hohlen Korpus. Für laute Stilrichtungen wie Metal kann man ihn nicht einsetzten, da er bei großen Lautstärken anfängt zu pfeifen. Abgesehen davon würde der Sound natürlich auch nicht passen, seine "holzige" Note bietet sich z.B. für Folk an. Den Akustikbass spielt man normalerweise nicht über einen E-Bass-Verstärker, sondern über einen speziellen Akustikbassverstärker oder die Gesangsanlage. Man kann ihn auch gut für zu Hause zum Üben verwenden. Da man ihn bei Zimmerlautstärke unverstärkt spielen kann, wird die "Schwelle" zum Üben etwas niedriger. Man spart sich einfach, das Kabel zu suchen, den Bass in den Verstärker einzustöpseln usw. 

Der Semi-Akustik-Bass ist, wie der Name schon sagt, ein Mittelding zwischen Solid-Body und Akustikbass. Da der Korpus nicht ganz so breit ist, ist er weniger anfällig für's Pfeifen als der Akustikbass, aber immer noch mehr als  der Solid-Body. Er hat einen dumpfen Klang, der in Richtung Kontrabass geht. Stilistisch kann man ihn gut für Rock einsetzen, der nach sechziger Jahren klingen soll, da in dieser Zeit einige bekannte Bassisten einen Semi-Akustik spielten.

Solid-Body Bass Akustikbass Semi-Acoustic Bass
Der Solid-Body hat keine Hohlräume und ist die häufigste Body-Konstruktion. Er wird im Rock/Pop-Bereich eingesetzt. Da der Akustikbass einen hohlen Korpus hat, kann man ihn auch  unverstärkt spielen. Für eine hohe Bandlautstärke ist er aber nicht geeignet, dazu neigt er zu sehr zum Pfeifen. Der Semi-Akustik ist teilweise hohl, hat aber keinen so breiten Body wie der Akustikbass, wodurch er  weniger anfällig für Pfeifen ist.

Short- oder Longscale?

Shortscale bedeutet, dass der Bass eine verkürzte Mensur, also vereinfacht gesagt, einen kürzeren Hals hat. Die Mensur beträgt beim Shortscale nur 762 mm im Vergleich zu den 864 mm beim "normalen" oder Longscale-Bass. Der Vorteil des Shortscale ist, dass er leichter zu greifen ist, weil die Bünde näher aneinanderliegen. Insbesondere Umsteigern von der Gitarre kommt das entgegen (obwohl die Shortscale-Mensur nicht ganz so kurz ist wie die Gitarren-Mensur).

Der Nachteil des Shortscale ist der Sound: Verglichen mit dem eher "drahtigen", präsenten Klang des Longscale klingt der Shortscale eher "mumpfig", dumpf und kann sich im Bandgefüge daher weitaus weniger gut durchsetzen. Während in den Sechzigern und frühen Siebzigern noch einige Top-Bassisten Shortscales einsetzten, sind sie mittlerweile daher bei den angesagten Bands nahezu völlig ungebräuchlich.

Bundiert oder Fretless?

Normalerweise sind in das Griffbrett eines Basses Bundstäbchen eingelassen, man spricht dann von einem bundierten Bass. Fehlen diese Bundstäbchen, handelt es sich um einen Fretless-Bass. Beim Fretless müssen beim Spielen die Finger exakt auf den Stellen positioniert werden, wo beim bundierten Bass die Bünde sind. Diese zusätzliche Schwierigkeit entfällt beim bundierten Bass. Manchmal gibt es auf dem Fretless optische Markierungen, die das Greifen etwas erleichtern.

Vom Klang besteht der Unterschied darin, dass der Fretless mehr Sustain und einen "singenden" Ton hat. Außerdem lassen sich mit ihm gewisse Slide-Effekte produzieren, die sich so auf einem bundierten Bass nicht umsetzen lassen.

Anfängern würde ich zunächst einen bundierten Bass empfehlen, da sich die Grundlagen so doch einfacher lernen lassen. Man befindet sich damit in guter Gesellschaft, denn die allermeisten Bassisten im Pop/Rock-Bereich spielen bundierte Bässe. Später kann man dann immer noch auf einen Fretless umsteigen.

Kopflastigkeit

Kopflastigkeit bedeutet, dass sich der Hals des Basses nach unten bewegt, wenn der Bass umgehängt wird. Leichte Kopflastigkeit kann durch einen entsprechend breiten Bassgurt ausgeglichen werden, stärkere Kopflastigkeit muss während des Spiels vom Spieler kompensiert werden. Persönlich würde ich von einem kopflastigen Bass eher abraten, obwohl es viele Musiker gibt, die damit klarkommen. 

Preise und Marken

Aufgrund der verbesserten maschinellen Fertigung sind heute schon recht gute Instrumente für relativ kleines Geld zu haben. Gerade im untersten Preissegment machen allerdings ein paar Euro mehr oft einen großen Qualitätsunterschied aus. Man sollte auch daran denken, dass ein Musikinstrument eine Anschaffung "für's Leben" ist und dass es sich daher lohnt, auf Qualität zu achten und lieber ein paar Euro mehr auszugeben. Ich würde daher empfehlen, auch für einen Anfängerbass mindestens 250 Euro auszugeben. "Erwachsene" Instrumente kosten dann um die 1500 Euro. Gute Marken sind u.a.: Fender, Warwick, Music Man und Ibanez.

Gebrauchtkauf

Die Attraktivität von Gebrauchtinstrumenten liegt nicht nur im günstigeren Preis. Viele Musiker fasziniert der "Mojo", also das spezielle Flair, das alte E-Bässe ausstrahlen. Außerdem wird immer wieder behauptet, dass diese sogenannten "Vintage"-Instrumente besser klingen. Nichtsdestotrotz sollte man sich seinen Gebrauchtbass genau auf eventuelle Mängel hin ansehen:

Alle diese Mängel können prinzipiell behoben werden, aber die Kosten für eine entsprechende Reparatur müssten dann natürlich auf den Preis draufgerechnet werden, wodurch sich die Anschaffung eines Gebrauchtinstruments schnell nicht mehr lohnt.